Der Begriff Lebenswelt beschreibt den konkreten Raum, in dem menschliches Leben tatsächlich stattfindet. Er umfasst Alltagserfahrungen, Beziehungen, Gewohnheiten, Werte, Sprache und kulturelle Prägungen. In der Lebenswelt begegnen Menschen einander, handeln, deuten Situationen und geben ihrem Leben Bedeutung. Sie ist kein abstraktes Konstrukt, sondern die unmittelbar erlebte Wirklichkeit.
Geprägt wurde der Begriff vor allem durch Edmund Husserl und später weiterentwickelt, unter anderem von Alfred Schütz. Gemeint ist jene Welt, die Menschen als selbstverständlich erfahren, lange bevor sie theoretisch darüber nachdenken.
Lebenswelt bildet den Hintergrund allen Handelns und Verstehens.
Sie ist der Ort, an dem Wissen nicht gelernt, sondern gelebt wird.
Lebenswelten entstehen im sozialen Miteinander. Familie, Freundschaft, Arbeit, Nachbarschaft oder digitale Räume prägen sie. Jede Person bewegt sich in mehreren Lebenswelten gleichzeitig. Diese überschneiden sich, verändern sich und stehen in Beziehung zueinander. Pluralität von Lebenswelten ist Ausdruck gesellschaftlicher Vielfalt und Voraussetzung für soziale Entwicklung.
Jede Lebenswelt ist subjektiv erfahren und zugleich sozial geteilt. Menschen teilen Routinen, Symbole und Bedeutungen, ohne sie ständig erklären zu müssen. Darin entsteht Vertrauen, Orientierung und Zugehörigkeit. Lebenswelt verbindet individuelles Erleben mit kollektiver Ordnung.
Gesellschaftliches Handeln wird verständlich, wenn Lebenswelten ernst genommen werden. Politische, soziale oder pädagogische Prozesse gewinnen an Tiefe, wenn sie an den realen Erfahrungen der Menschen anknüpfen. Lebensweltorientierung stärkt Teilhabe, Respekt und Wirksamkeit sozialen Handelns.
Lebenswelt ist der Ort, an dem Menschsein konkret wird. Sie trägt Erfahrungen, Beziehungen und Sinn. Wer Lebenswelten versteht, versteht Menschen – in ihrer Vielfalt, ihrer Verletzlichkeit und ihrer Fähigkeit, gemeinsam Wirklichkeit zu gestalten.
2026-02-08